Techniken des Feuermachens (Teil I)

Feuer als wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung und den Erhalt des Lebens

Zuerst beobachteten wir das Feuer in der Natur, beispielsweise in Vulkanen oder Bäumen, die der Blitz entzündet hatte. Dann holten wir uns Feuer aus diesen natürlichen Quellen und nutzten es als Licht- und Wärmequelle sowie zum Schutz vor Feinden. Schließlich lernten wir selbst Feuer zu machen. Sehr viel später schmolzen wir mit Hilfe des Feuers Metall oder brannten Ton und entwickelten eine Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten. Die Beherrschung des Feuers trug mit dazu bei, dass wir sesshaft wurden. 1

Glühendes Holz

Glühendes Holz

Feuer steht für Wärme, bekömmliche Speisen und ermöglichte viele Erzeugnisse aus Handwerk und Gewerbe.

© display-Magazin

Das Feuer spielt in der Kulturgeschichte des Menschen eine grundlegende Rolle. Ohne Feuer müssten wir auf wohlige Wärme, bekömmliche Speisen und viele Erzeugnisse aus Handwerk und Gewerbe verzichten. Das Feuer ist so wichtig für den Menschen, dass es auch in seinem Geistesleben einen festen Platz einnimmt. Wie nie zuvor ist die Menschheit heute vom Feuer in seinen vielfältigen Erscheinungsformen der Energie abhängig, dennoch ist das offene Feuer mittlerweile weitgehend aus unserem Alltagsleben verschwunden. Es brennt – sichtbar höchstens durch ein kleines Guckloch – in geschlossenen Brennkammern. Das war nicht immer so. Das offene Feuer war bis ins 18. Jahrhundert hinein für die ganze Menschheit ein elementares Erlebnis. 2 Feuer kann entweder durch Funkenschlag, durch Reibungswärme oder durch die Bündelung von Sonnenlicht entfacht werden.

Feuerstein

Beim Aneinanderschlagen geeigneter Materialien springt ein Funke. Dieser wird mit einer Unterlage aufgefangen, die ihn am Glimmen hält. Von der Steinzeit an wurden mit Feuerstein und Pyrit, Eisen- bzw. Schwefelkies, oder Markasit Funken geschlagen und auf einem Stück Zunder aufgefangen. Durch sanftes Anblasen und die Zugabe von leicht brennbarem Material wurde aus dem Glimmen ein Feuer. Um Funken zu erzeugen, wurde später auch mit einem Feuerstahl auf den Feuerstein geschlagen. 2

Feuerstein, engl. Flint, franz. Silex, ist ein hartes, anisotropes sedimentäres Gestein mit glasigem Aussehen. Es gehört zur Gruppe der Hornsteine. Feuerstein ist hauptsächlich in Schichten des Jura und der oberen Kreide in Form von großen unregelmäßig geformten Knollen überliefert. 3

Das Farbspektrum reicht von grau über braun bis in tiefschwarze Töne, ein besonders gut bearbeitbarer Flint war der Gelbe aus Belgien, der schon im Paläolithikum bergbaumäßig abgebaut und über weite Strecken gehandelt wurde. Feuerstein lässt sich sehr gut spalten und bearbeiten, daher war es das bevorzugte Material aus dem der steinzeitliche Mensch seine vielfältigen Artefakte herstellte. Seinen Namen hat er dadurch erhalten, weil sich aus ihm sehr leicht ein Funke schlagen lässt. Die Steinschlossgewehre früherer Zeiten hatten solch einen Feuerstein in ihrem Abschussmechanismus. Der mit einer Feder gespannte stählerne Abschusshebel traf beim Auslösen auf ein eingeklemmtes Stück Feuerstein und der entstehende Funke entzündete das Pulver auf der Pulverpfanne – der Schuss löste sich. 4

Feuerstahl, Feuerschlagstein und Quarzit

Usprünglich Feuerzeug

Nadelförmiger Feuerstahl mit Feuerschlagstein aus Quarzit und barrenförmiger Feuerstahl mit Flint

© moesmus

Feuersägen und -bohrer

Feuer lässt sich auch durch Reibung erzeugen. Reibung erhöht die Temperatur eines brennbaren Materials bis zur Entzündungstemperatur. In einigen Kulturen wenden die Menschen noch heute überwiegend die alten Methoden zum Feuermachen an. Dabei reiben sie zwei Holzstücke, die von leicht entzündlichem Material umgeben sind, bis zur Glutbildung aneinander. Mit der Feuersäge reibt man einen Stab in einer Rille eines anderen Holzstückes. Beim Feuerbohrer wird ein Stab in einem Holzstück entweder zwischen den Handflächen oder mit Hilfe eines Bogens bis zur Glutbildung gedreht. An der heißen Stelle wird Zunder bereitgelegt. 1

Fidibus

Ein Fidibus ist ein harzreicher Holzspan (Kienspan) oder ein gefalteter Papierstreifen und dient als Hilfe zum Anzünden von Feuer. Die Etymologie des im späten 17. Jahrhundert aufkommenden Begriffes ist unbekannt. Moriz Haupt vermutete eine scherzhafte Umdeutung eines Spruches von Horaz, wo es heißt «et ture et fidibus iurat placare ... deos, lasst uns mit Weihrauch und Saitenspiel die Götter besänftigen». Er vermutet, dass als Studentenulk ture zu Tabaksqualm und fidibus zum Pfeifenanzünder wurde. 5 Kienspan und Fidibus aber hatten einen Nachteil, sie benötigten eine Feuerquelle die oftmals nur der Kamin oder Herdfeuer darstellte, sie eigneten sich also nicht für das Weitdraußen. 4

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display-Magazin
2006-07-10
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